Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung

Journalist. Das kann man in Deutschland einfach so werden: sagen, man ist Journalist. Und dann kann man hoffen, dass jemand das akzeptiert und man damit sein Geld verdienen kann. Ob man vorher als Model gearbeitet hat, einfach nur studiert, Kekse gegessen oder nichts hat: egal. Und das ist richtig so. Andere gehen einen sehr klassischen Weg, studieren ein Fach, volontieren, arbeiten für Medieninstitutionen. Es gibt viele Wege und nicht „den“ einen.

Das gilt auch für die Frage, wie man Journalismus dann praktisch ausübt. Im Regelfall würde man annehmen: es gibt einen Anlass, aus dem heraus man mit einer Recherche (Nachforschung) beginnt. Das kann alles mögliche sein, im Regelfall versucht ein Journalist sich aber erst einmal schlau zu machen (das klappt unterschiedlich gut, muss hier aber erst einmal keine Rolle spielen). Mit diesem erworbenen Wissen holt ein Journalist sodann Interpretationen, Meinungen, Analysen ein, versucht den Realitätsabgleich zwischen Anspruch und Wirklichkeit, versucht zu prüfen, ob stimmt, was ihm gesagt wird. Auch hier gibt es wieder nicht „den“ Weg, sondern viele.

Es ist jetzt gut zwei Jahre her, da saß ich mit Tilo Jung vor einem Café in Mitte, wir unterhielten uns. Er hatte die Idee für ein Fernsehformat, das er damals gerne Friedrich Küppersbusch bzw. über dessen Produktionsfirma verkaufen wollte, wenn ich mich recht erinnere. Grundidee: Dinge erklären lassen, YouTube-Generation-kompatibel. Tilo Jung stellt naive Fragen.

Das mit Küppersbusch klappte glaube ich nicht so recht, aber ich habe das für eine gute Idee befunden: mir wird im Journalismus zu wenig mit neuen Formaten experimentiert, Mut zum Basteln. Tilo hat sich weiter Gedanken gemacht und schlug irgendwann vor, kurz bei mir vorbeizukommen und über Politik zu quatschen. Kamera: iPhone. Drehort: Küche, meine. 40 Watt und gelbe Tapete. Das logische Ergebnis waren 38:35 lustige Grütze in fieser Bildqualität. Zu lang, zu pseudo, zu irgendwas… Aber uns beiden hats irgendwie Spaß gemacht.

Tilo hat das Format dann versucht weiterzuentwickeln. Statt Journalisten kamen immer mehr Politiker, professionelleres Equipment, es kam (und ging) ein 10-Minuten-Limit, Tilo verabschiedete sich immer mehr vom „Naiven“. Wir haben irgendwann aufgehört, miteinander mal Folgen zu drehen, ohne speziellen Grund oder ohne ein Zerwürfnis. Ich hab ihm manchmal noch Hinweise gegeben.

Seit etwa einem Jahr sitzen wir manchmal nebeneinander in der Bundespressekonferenz (BPK). Die ist im Kern ein Verein, einer, in dem Journalisten Mitglied sind – und zwar die Hauptstadtkorrespondenten von Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern, Presseagenturen, aber auch Blogger wie Markus Beckedahl von netzpolitik.org oder der Journalist, Krautreporter und Blogger Thomas Wiegold. Dreimal in der Woche gibt es in der sogenannten Regierungspressekonferenz die Möglichkeit, die Sprecher der Bundesregierung dort zu aktuellen politischen Themen zu befragen. Zudem gibt es eine jährliche Sommer-Pressekonferenz mit der Kanzlerin und sonstige anlassbezogene Termine.

Eines ist bei allen gleich: wer auch immer dort spricht, ist vom Verein der Hauptstadtkorrespondenten dorthin eingeladen worden, dort zu sprechen – und geleitet werden Pressekonferenzen von Vorstandsmitgliedern, gewählt vom BPK-Verein. Regierungspressekonferenzen zum Beispiel dauern deshalb auch so lange, bis auch die letzte Frage gestellt ist (sofern, was aber selten der Fall ist, keine direkte Anschluss-Pressekonferenz im Kalender steht), die Sprecher sind dort Gäste, die vielleicht nicht immer alles so beantworten, wie sich Journalisten das wünschen, aber sich ansonsten (meist) zu benehmen wissen. Weglaufen jedenfalls kann dort niemand von den Sprechern einfach so.

Diese Pressekonferenzen funktionieren in einem „wir und ihr“-Modus: die Hauptstadtpresse fragt, die Regierung antwortet. Jeder Journalist der Mitglied der BPK ist darf grundsätzlich jede Frage an jedes Ministerium stellen und jeder der Anwesenden oder per Leitung Zuhörenden darf jede Antwort verwerten (wie im Plenum des Bundestages sind nicht immer alle im Raum, die mit dem Geschehen weiterarbeiten). Wer seine Fragen also ganz exklusiv beantwortet haben will, sollte nicht dort fragen. Einige Magazine und Zeitungen machen das daher oft auch nicht. Sie fragen lieber bilateral direkt bei den Sprechern der Ministerien an, damit ihnen niemand „ihre Story“ klaut… Im Grundsatz geht es also darum, dort in einem von Journalisten organisierten Raum die Fragen an die Regierung zu stellen, die vermutlich „die Hauptstadtpresse“ und „die Öffentlichkeit“ interessieren. Wer mehr fragen will, kann das jederzeit bei den einzelnen Sprechern und Presseämtern einfordern.

Und genau hier sind wir wieder bei Tilo. Denn der sitzt nun seit gut einem Jahr öfter in der Regierungspressekonferenz, filmt dort „seine“ Fragen und Antworten und veröffentlich diese danach. Manche seiner Fragen sind hilfreich, weil sie relativ undiplomatisch und direkt sind. Aber: sie sind in aller Regel auch ohne jede ernsthafte Vorbereitung gestellt. So kommt es regelmäßig vor, dass Tilo mehrfach Dinge fragt, die zwei Tage vorher in epischer Breite bereits behandelt wurden. Nur hat Tilo sie dann nicht im Video, weil er da mal nicht da war (was häufiger so ist). Oder: er hat sie einfach nicht nachgelesen, alle Protokolle sind im Nachhinein allen Mitgliedern mit Fragendennamen, ohne den Namen des Fragenden auch den beim Bundespresseamt akkreditierten Journalisten auf cvd.bundesregierung.de und auch ganz öffentlich zugänglich. Tilo stellt also sehr viele Fragen, häufig sind einige davon bereits beantwortet.

Hinzu kommt, dass die Bundespressekonferenz der Verein der Hauptstadtkorrespondenten ist, die im Regelfall einiges an Wissen mitbringen und für die die Regierungspressekonferenz nur ein Element ihrer Berichterstattung ist, und nicht der Berichtsgegenstand. Wer „Q&A mit Regierungssprechern“ als Journalismus verkauft, begeht in gewisser Weise einen Etikettenschwindel. Sicherlich könnte man es auch so sehen: der Journalismus entsteht bei Tilo Jung erst in der Langfristperspektive, mit RegierungsPKs und sonstigen Interviews. Aber kurz und naiv gesagt: einige der Pressekollegen sind von ihm gerade ziemlich genervt. Und ich kann es nachvollziehen, weil ich es unkollegial finde, sich nicht vorzubereiten und sich dann öffentlich als Heilsbringer des kritischen Journalismus darzustellen.

Damit wir uns richtig verstehen: Kürzlich schnitt die Sitzungsleitung in einer RegierungsPK Tilo einmal das Wort fast ab, legte ihm öffentlich nahe, Fragen, die nur ihn interessierten, doch bitte bilateral zu stellen. Dafür hat die Kollegin von anderen Mitgliedern wiederum ihrerseits Kritik erfahren. Denn auch wenn er manchmal nervt, hat er das Recht, Fragen zu stellen. Nur muss er eben auch damit Leben, dass andere Vereinsmitglieder ihm nahelegen, sich bei seinen Fragen selbst zu beschränken, sich aber auf jeden Fall inhaltlich vorzubereiten. In einem selbstorganisierten Verein gehört nämlich auch die Rücksicht auf die (zeitlichen) Bedürfnisse der anderen Mitglieder dazu. Und wer so austeilt wie Tilo, sollte ein bisschen Kritik ja auch aushalten können…

Vor einiger Zeit war Tilo mal bei einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus eingeladen. Er fragte mich um Rat, ich hab ihm damals einen Lektüretipp gegeben: Horst Köhlers 60-Jahre-BPK-Festbeschimpfung. Vielleicht liest er sie heute noch einmal, und insbesonderen diesen Absatz:

Haltung haben. Es ist ein ziemlich altes Wort. Aber ich finde, es könnte mal wieder in Mode kommen. Genau wie ein anderes, viel schlichteres Wort: Ahnung haben. Zusammen sind sie stark, meine ich.

Vielleicht findet Tilo ja die Zeit, zur Mitgliederversammlung der BPK zu kommen. Der Tagesordnungspunkt „Sonstiges“ bietet ausreichend Platz für diese Diskussion, wenn man sie denn führen mag.

 

tl;dr: Tilo Jung nervt manche Kollegen, weil er keine Ahnung hat und zu faul ist zur Vorbereitung. Die Pressefreiheit ist derzeit weder dadurch noch durch Tilos Fragen gefährdet.

  73 comments for “Der kleine Unterschied: Ahnung und Haltung

  1. Otla
    21. Februar 2015 at 0:46

    Tilo Jung ist deswegen so erfolgreich bei uns Bürgern mit seiner Art, in der Pressekonferenz Fragen zu stellen und dies zu filmen, weil er Netzbewohner ist. Netzbewohner trauen Ihnen nicht. Nicht nach der zuweilen doch recht durchsichtig einseitigen Berichterstattung, bei der man sich ständig fragt: und wo sind die Belege?
    Jung kommt aus dem Netz. Er liefert die Belege. Die Originalaussagen. Per Video.
    Es ist eine andere Kultur. Sie ist noch nicht perfekt, wir müssen da alle noch was üben. Nicht jeder interessiert sich intensiv für jedes Thema. Und zu viel Information ist auch Desinformation. Wir müssen alle noch was üben. Wie man zusammen fasst, wie man ‚herunter bricht‘ und dennoch alles belegt und alles verlinkt und manche Links sind so wichtig, dass man extra drauf hinweisen muss, manche nur pro forma.
    Alles noch nicht perfekt. Wir lernen noch in Neuland.
    Aber so, wie sie sich das vorstellen, in aller Stille Informationen besorgen nach dem Motto, ich bin ehrlicher Journalist, ich weiß das aber, sie dann nach eigenem Geschmack zu einem appetitlichen Artikel zusammen zu kochen – so wird das in Zukunft nicht mehr laufen.
    Zeitenwende.
    Besser, man stellt sich rechtzeitig darauf ein.
    Bevor die klassischen Medien alle in Konkurs gegangen sind.

  2. Hannes
    21. Februar 2015 at 0:55

    Das tl;dr ist eine Dreistigkeit und zeigt leider nur, dass der Autor nur wenige der Videos angesehen hat. Und bei netzpolitik.org steht nichts darüber, dass die Pressefreiheit gefährdet wär.
    Sehr schade, da der Artikel ansonsten sehr lehrreich und interessant ist.

  3. Tilo Jung
    21. Februar 2015 at 0:59

    Danke dafür. Ich mag den Text (minus das nicht dazu passende tl;dr). Es geht um ungeschriebene Regeln und offenbar gut versteckte Vorbereitung, Ahnung und Haltung.

    Bis zum nächsten Kaffee und zur überfälligen neuen Folge J&N mit dir!

    • 21. Februar 2015 at 18:05

      Um welche ungeschriebenen Regeln geht es denn eigentlich genau? Weder Falk noch Du hast bisher irgendwas Konkretes dazu gesagt…

      • Kritiker
        23. Februar 2015 at 13:26

        Die, die mehr oder weniger direkt im Artikel hier angesprochen sind?

  4. Mattes
    21. Februar 2015 at 7:07

    „Tilo Jung nervt manche Kollegen, weil er keine Ahnung hat und zu faul ist zur Vorbereitung“ – er informiert jeden den es interessiert auf eine Art, die jeder schnell verstehen kann.
    Das erinnert mich an das Sesamstrasse lied: wer nicht fragt, bleibt dumm.

    Er fragt und gibt den „Experten“ die Gelegenheit selbst, unmissverständlich zu antworten.
    Klar gehen seine Fragen in eine bestimmte Richtung, aber wie oft kommt als Antwort nur ein „kann man nachlesen“ und somit selbst (fehl)interpretieren oder „kommentiere ich nicht“, denn dann müsste ich mich genauso festlegen.

    Das es nervt? Ok, aber wer seine Videos verfolgt merkt sehr schnell, wie sich die Sprecher jedes mal vor einer echten Antwort drücken.
    Ich glaube nicht, dass er Gelegenheit bekäme, seine Fragen in kleiner Runde zu stellen oder wurde das schon mal angeboten? Kann man machen, wenn man will.

    Vieleicht ist das weniger Journalismus und mehr Oposition, aber noch ist fragen erlaubt und ihr Journalisten solltet euch mal selbst kritisch mit eurer Leistung auseinandersetzen, statt mit Tilo’s.
    Beispiele gibt es da genug.

    Wie wäre es mit Fragen zum Thema Griechenland. Warum muss man dort Renten kürzen und Arbeitsplätze abbauen, statt die Steueroasen der EU trocken zu legen?
    Warum kommt sowas nur im Kabarett?
    Bzw. Berichte über die Oposition nur, wenn es mal wieder dient diese schlecht aussehen zu lassen? (übertrieben, ich weiss)

    Warum traut hier kaum einer den Politikern? Was habt ihr Journalisten dazu beigetragen und warum traut man der Presse genauso wenig?

    Sorry das ich, zu Jung, zu Naiv, zu wenig informiert bin.

    Lieber Tilo, das ist genau Richtig wie du das machst, bitte weiter so.

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 12:07

      Ich wüsste nicht, warum Tilo „seine“ Fragen nicht im 1zu1 von den Ministerien beantwortet bekommen sollte…? Er hat ja schon komplette, lange J&N-Folgen, zB mit Steffen Seibert gedreht. Die Ministerien sind zur Beantwortung von Anfragen verpflichtet, kommen dieser Pflicht in aller Regel auch nach. Und wenn sie es nicht tun, würde er sich schon zu helfen wissen…
      Ich finds übrigens (im Wortsinne) bemerkenswert, dass Du eine Unterscheidung in „ihr Journalisten“ und „Tilo“ machst.

      • 21. Februar 2015 at 18:10

        fsteiner:
        „Ich wüsste nicht, warum Tilo “seine” Fragen nicht im 1zu1 von den Ministerien beantwortet bekommen sollte…?“

        Es ist auch völlig irrelevant, daß Tilo seine Fragen auch im 1:1 stellen könnte. Es geht darum, aus welchen konkreten Gründen (außer daß irgendwelche anonymen Leute aus ungenannt bleibenden Gründen finden, Tilos Fragen seien Zeitverschwendung) er konkret bestimmbare Fragen nicht in der BPK stellen sollte. Und dazu hast auch Du bisher noch keinen einzigen konkreten Grund genannt.

      • Mattes
        21. Februar 2015 at 22:22

        >>Die Ministerien sind zur Beantwortung von Anfragen verpflichtet, kommen dieser Pflicht in aller Regel auch nach.<>Ich finds übrigens (im Wortsinne) bemerkenswert, dass Du eine Unterscheidung in “ihr Journalisten” und “Tilo” machst.<>Wer “Q&A mit Regierungssprechern” als Journalismus verkauft, begeht in gewisser Weise einen Etikettenschwindel. Sicherlich könnte man es auch so sehen: der Journalismus entsteht bei Tilo Jung erst in der Langfristperspektive, mit RegierungsPKs und sonstigen Interviews.<<

        Was mich im nachhinein ärgert, ist, dass ich "ihr Journalisten" verallgemeinert habe – nicht jeder Journalist oder Politiker macht einen schlechten Job, aber "in der Regel" fällt das kaum auf.

        Möglich das der ein oder andere das besser machen würde, wenn man ihn denn lassen würde.
        Auch gut möglich das Tilo das besser machen könnte.
        Der Hinweis, das Zeit für Recherchen etc. eine enorme Rolle spielt und das es im Bereich Journalismus (vermutlich) nicht besser ausschaut, als in anderen Wirtschaftsbereichen legt das nahe.
        Da ist es wie in vielen anderen Betrieben auch.
        Man hat eine Aufgabe, ein Pensum oder ein Ziel das erreicht werden soll, aber unter den gegebenen Umständen (Zeit, Resourcen) nur selten komplett(Qualität) erreicht/erfüllt werden kann.
        Entweder hält man die Qualität auf kosten von Resourcen oder Zeit, oder man spart beides auf kosten der Qualität und riskiert seinen guten Ruf.
        Letzteres ist bereits der Fall – Stichwort Lügenpresse.

        Es ist bemerkenswert, wie oft Frau Merkel toll da steht, also zumindest laut Umfrage.
        Aber keinen Interessiert, was das für Umfragen sein sollen.
        Gleiches gilt für Statistiken.

        Tolle Lobbyarbeit.

        Wie dem auch sei, hier ist vermutlich der falsche Ort, darüber zu Diskutieren.

  5. Sebs
    21. Februar 2015 at 10:48

    Das ist aber jetzt auch schon eine Verkürzung auf die negativen Seiten. Ein schrieb von der Qualität eines „Ja, aber“. So eines was man bekommt wenn einem der Boss sagt, man mache gute Arbeit, ist aber trotzdem gefeuert weil die Frau vom Chef einen nicht mag.

    Hat der liebe Verein mal auch gesehen was man von Herrn Jung lernen kann? Ich empfinde die Fragerei auch manchmal als zu „naiv“, aber dies verhindert doch gerade das was sonst da abgeht: Ein mit Regeln und Verfahren (+ einem Verein) zugestellter demokratischer Prozess der nicht automatisch zur Frage führt „Warum denn bei entsprechendem vorhandenen, und seitens der USA eingestandenen Folterverdacht bei uns keine Behörde aktiv wird“.
    Ich schau das Ding inzwischen öfter, und wenn die Hetrren Hauptstadtkorrespondenten spannendere Fragen stellen würden, dann gäbe es vielleicht keinen Platz für Herrn Jung.
    Nochmal ganz deutlich für die Kollegen von Bild, welt und dem rest der Presse die gerne deckungsgleich mit der Regierungsmeinung schreibt: Wenn ihr nicht so einen überaus schlechten und unkritischen Job machen würdet, der Jung würde da nicht mal auffallen.

  6. Diskordia
    21. Februar 2015 at 10:49

    Ich finde, dass die Kritik an Herrn Jung zu weit geht. Jemanden Faulheit vorzuwerfen, nur weil er nicht ständig da ist und dafür dann später ausführlich Fragen stellt doch etwas zu stark auf Vermutungen basierend. Selber sagen Sie ja im ersten Teil ihres Textes, dass Herr Jung mal was anders machen möchte und Sie das prinzipiell gut finden. Dennoch können Sie sich nicht mit dem Gedanken anfreunden das er nicht den typischen Hauptstadtjournalist-Tagesablauf hat, wie Sie ihn bekennender maßen pflegen.
    Auch wenn ich selber einige Kritikpunkte an Herrn Jung habe, muss ich doch sagen das ich seine Art die BPK zu interpretieren sehr schätze. Immerhin bekommen dadurch Leute wieder Interesse an Politik und ist es nicht eure journalistische Pflicht der Bevölkerung nicht nur die Themen vorgekaut und vorinterpretiert wiederzugeben, sondern sie dafür zu interessieren? Herrn Jungs Ansatz finde ich da doch wesentlich stärker im Sinne der Aufklärung stehen als den bisherigen. Und ist Aufklärung nicht das, was wir in Zeiten von PEGIDA und Co brauchen?

  7. 21. Februar 2015 at 11:03

    „Es ist jetzt gut zwei Jahre her, da saß ich mit Tilo Jung vor einem Café in Mitte, wir unterhielten uns. Er hatte die Idee für ein Fernsehformat, das er damals gerne Friedrich Küppersbusch bzw. über dessen Produktionsfirma verkaufen wollte, wenn ich mich recht erinnere. Grundidee: Dinge erklären lassen, YouTube-Generation-kompatibel. Tilo Jung stellt naive Fragen.“
    Das war bei mir auch so und ich fand die Idee auch gut. Obwohl es bei manchen Videos mit weiblichen CDU/CSU-Abgeordneten dann meinem Eindruck dann mehr um konfrontative Bloßstellung als um wirklich neue Informationen ging. Von der Reise in die Mittelmeerländer z.B. habe ich mir soviel versprochen, daß ich krautgefundet habe, ohne zu befürchten, ich finanzierte Tilo den Urlaub in der Sonne.
    Aber die Fragen in der BPK sehe ich mit einer gewissen Verständnislosigkeit. Wobei ich gleich einräume, daß ich nicht weiß, was die anderen fragen und für Antworten erhalten. So hatte ich das Format BPK auch bislang nicht verstanden. Warum sollte ich die Quellen des Journalisten selbst betrachten und bewerten? Wofür ist er dann da?
    In einer journalistischen Eigenleistung könnte ja anklingen, daß die Ministeriumssprecher auch auf mehrfaches Nachfragen ausweichend und nur mit den üblichen Floskeln geantwortet haben, man selbst aber durch eine Recherche etwas anderes herausgefunden habe und das nun präsentiere.
    Wenn das fehlt – und es fehlt mir momentan bei Tilos Arbeit – dann wirken die Fragen nur wie eine Variation von #Lügenpresse- und #Schweinesystemvorwürfen.

  8. Martin
    21. Februar 2015 at 11:31

    Ich habe das Gefühl, dass hier zwei Welten auf einander prallen. Ich überspitze jetzt ein wenig. Nachdem ich diesen Text gelesen habe, habe ich das Gefühl einen Journalisten mehr gefunden zu haben, der nicht verstanden hat, wie Fundamental kaputt das Vertrauen in „den Journalismus“ ist.
    Ich habe auch das Gefühl, das es Journalisten gibt die die BPK als ihr Ding sehen, wo sie ihre Fragen stellen können und dann ihre gefilterte Wahrheit als Artikel veröffentlichen. Die haben immer noch nicht verstanden, dass es eine große Masse an Leuten da draußen gibt, die die Rohinformationen wollen, weil sie keinen Bock mehr auf Stories (Ein Jornalist der gerne Stories schreibt, sollte imho übrigens lieber Buchautor werden) und Spin von Journalisten haben.
    Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate usw. gibt es ja zuhauf.

    Die Leute wollen auch die Mimik und Gestik der Antwortenden sehen. Das verrät nämlich auch sehr viel. Und das Gestammel was da teilweise kommt, finde ich wichtig, dass das öffentlich gemacht wird. Das erzeugt nämlich auch einen gewissen Rechtefertigungsdruck.
    Genauso wie das wiederholen von Fragen. War es nicht erst Anfang dieses Jahres wo in der BPK gesagt wurde, nein wir wollen keine Backdoors in Verschlüsselungstechnologie und 2 Tage später erzählt der Innenminister das genaue Gegenteil. Wie oft wird da die Formulierung „Derzeit“ gebraucht und meint damit bis zum Ende der gerade stattfindenden BPK?

    Wen Tilos fragen nerven kann ja gehen sobald er seine Frage los geworden ist, und den Rest in der Zusammenfassung lesen.

    Ja vielleicht nutzt Tilo die BPK nicht so wie sie gedacht war, aber aus meiner Sicht nutzt er sie Sinnvoll.

    • Andreas
      21. Februar 2015 at 12:56

      Sorry, aber viele der „Leute da draußen“ sind doch in genau der Situation, die du hier gerade Journalisten vorwirfst, nämlich dass nur das überhaupt als Journalismus akzeptiert wird was der vorher gesetzten Story entspricht, bei der es sich schon nicht mehr um eine regierungs- oder machtkritische Grundhaltung sondern schlechterdings um Paranoia handelt. Ich habe den selben Eindruck wie Norman Weiß einen Kommentar weiter oben: Was in der Berichterstattung nicht von vorneherein darauf angelegt ist, „den Staat“ bei irgendetwas zu ertappen, wird gleichsam in Form einer Weltanschauung als verdächtig und nicht beachtenswert wahrgenommen. Und das ist in sich selbst bereits jenseits einer kritischen Objektivität oder auch nur dem Anspruch danach.

      • Lauscher
        21. Februar 2015 at 16:47

        Darf ich zum thema Paranoia mal einen Link in den Raum werfen?
        http://heise.de/-2550779
        Und da wundern Sie sich allen Ernstes über eine paranoide Grundhaltung? So lange unsere Politik die Verstöße, die Geheimdienste unser angeblichen Partnerstaaten Tag für Tag begehen, nicht klar ansprechen und als Rechtsbruch brandmarken, so lange sie nicht aktiv daran arbeiten, diese Machenschaften zu unterbinden, so lange wird eine gegen staatliche Stellen gerichtete paranoide Haltung eher zu als abnehmen. Und so lange die großen Zeitungen und Sender sich weigern, dieses Thema viel stärker aufzugreifen, zur Hauptsendezeit und nicht nach 23:30, so lange sie von der Politik nicht konsequent, kritisch und mit langem Atem Ehrlichkeit einfordern und z. B. die BPK dafür nutzen, so lange ist es kein Wunder, wenn sie zunehmend nicht mehr als objektiver Berichterstatter wahrgenommen werden.

        Dass die Kritik im Wort „Lügenpresse“ platt und viel zu einschichtig ist, geschenkt. Aber der Journalismus hat ein ernsthaftes Problem, und er weigert sich im Moment standhaft, dies anzuerkennen und sich damit auseinanderzusetzen. Tilo Jung legt mit seinen Fragen den Finger genau in diese Wunde. Dafür verdient er Anerkennung, statt dessen wird er von „gestandenen Journalistenkollegen“ als Netzbeschmutzer wahrgenommen und deswegen angegangen. Das, Herr Steiner, ist das Problem.

        Und noch ein aktueller Link, der die Lage in den Redaktionen unserer Zeitungen sehr anschaulich darstellt:
        https://heisersstimme.wordpress.com/2015/02/16/sz-leaks-schleichwerbung-fur-steuerhinterziehung/
        Mahlzeit!

        • fsteiner
          21. Februar 2015 at 17:09

          Ich gehe insofern d’accord, als das es in manchen Bereichen auch des Journalismus Probleme gibt.
          Ich gehe insofern nicht d’accord, als dass ich die Lösung dieser Probleme oder auch anderer Tilo allein aufbürden wollte. Und ich möchte dann doch ans Herz legen, vielleicht doch nochmal zu gucken, womit zum Beispiel ich mich den lieben langen Tag beruflich so beschäftige &mitdemgartenzaunwink;.

        • Andreas
          21. Februar 2015 at 18:13

          Hmm, dass „der Journalismus“(?) einem Thema nicht das Mass an Aufmerksamkeit widmet das du für angemessen hältst, ist jetzt nicht direkt ein Beweis für ein völliges Versagen. Und dass das Thema ja durchaus stattfindet und diskutiert wird untermauert dein Argument jetzt auch nicht unbedingt. Falk Steiner versucht hier darzulegen, dass Tilo Jung mit seinen Oberflächlichkeiten irgendwelche Wunden höchstens ganz am Rande mal streichelt und dem ihm vielfach zugesprochenen Anspruch damit bestenfalls in Form einer Aufklärungsattrappe nachkommt, aber naja, folgt halt der Sandale.

          Achja, einen Link kann ich auch noch beisteuern: http://meedia.de/2015/02/20/was-von-den-sz-leaks-uebrig-bleibt-hinweis-nicht-viel/ Prost!

          • Kritiker
            23. Februar 2015 at 13:31

            „“Hmm, dass “der Journalismus”(?) einem Thema nicht das Mass an Aufmerksamkeit widmet das du für angemessen hältst, ist jetzt nicht direkt ein Beweis für ein völliges Versagen.““

            Doch, denn das ist doch die sich selbst auf die Fahnen geschriebene Aufgabe der 4. Macht im Lande. Es ist auch nicht irgendein Thema. Es ist DAS Thema, da es ohne Ausnahme alle betrifft. Alle. Und anstatt dort den nötigen Druck auszuüben, lässt man sich mit Pofallaschen Abspeißungen ruhig stellen.

  9. Thomas
    21. Februar 2015 at 12:11

    „tl;dr: Tilo Jung nervt manche Kollegen, weil er keine Ahnung hat und zu faul ist zur Vorbereitung.“

    Oder kann man nicht auch sagen, die Kollegen haben Angst, dass die Pressesprecher in Zukunft nicht mehr kommen, wenn zu viele kritische oder entlarvende Fragen gestellt werden ?

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 12:25

      Glaube ich nicht. Die Fragen von Tilo sind oft kritisch vorgetragen, aber im Kern oft einfacher zu beantworten als die weniger selbstbewusst auftretender Kollegen, zum Beispiel die eines Kollegen vom polnischen Fernsehen zum Mindestlohn für Transit-LKW-Fahrer im Januar, die Fragen zum Beschaffungswesen und seiner Mängel bei der Bundeswehr oder sowas.

      Ich nehme mal ein Beispiel von gestern raus:

      Tilo fragt: „An das Verteidigungsministerium: Wie ist denn die Haltung der Verteidigungsministerin in Sachen Intervention in Libyen?“
      Antwort Roth, BMVg: „Das steht nicht zur Debatte.“
      Tschuldigung, eine Intervention der Bundeswehr in Libyen für oder gegen wen oder was? Oder geht es um die oder eine (je nach Interpretation) Intervention Ägyptens? Was soll der da sagen außer: Haben wir gerade nicht vor, debattieren wir auch nicht?
      Aber Tilo bleibt hartnäckig, fragt nach: Der ägyptische Diktator hat das jetzt gefordert, und in Italien gab es auch Überlegungen.
      Roth: Das steht nicht zur Debatte, Herr Jung.

      Tilo hat nicht „die Bundesregierung“ oder „das Auswärtige Amt“ gefragt, wie die eine Intervention bewerten würden, ob das irgendwelche Konsequenzen hätte oder unterstützt würde. Er fragt das Verteidigungsministerium, welche Haltung die Ministerin zu einer Intervention habe. Wenn ihr Haus aber gerade keine solche vorhat, ist sie höchstwahrscheinlich der falsche Adressat oder es ist die falsche Frage. Auf jeden Fall aber ist sie mit einem „Das steht nicht zur Debatte“ inhaltlich wie formal beantwortet.
      In Newssprache übersetzt würden Frage und Antwort heißen: Von der Leyen will (derzeit) nicht in Libyen intervenieren und eine Intervention (durch wen auch immer) wird auch nicht von ihr debattiert.
      Kann man natürlich total spannend finden. Oder auch Zeitverschwendung.

      • Saipan
        21. Februar 2015 at 15:00

        Ist das nicht genau der Punkt? Festzustellen, ob und wie lange das „derzeit“ des Verteidigungsministeriums hält, bis es eventuell heißt, dass Deutschlands Freiheit auch in Lybien verteidigt wird? Zumindest hat es eine gewisse Relevanz, einen Zeitpunkt festzustellen, bei dem eine Intervention „nicht zur Debatte“ steht, unabhängig davon, ob diese, oder die Intervention, irgendwann doch stattfindet.

        • fsteiner
          21. Februar 2015 at 18:50

          Kurzum: Nein. Sollte sich eine solche Intervention abzeichnen, wird uns alle die Auskunft von Herrn Roth gestern nicht mehr die Bohne interessieren. So lange sie das nicht tut, nicht.

      • 21. Februar 2015 at 18:23

        Daran sind zwei Punkte ganz interessant. Ich hätte von einem Journalisten eigentlich erwartet, daß er problematisiert, ob die Frage nicht hätte besser gestellt werden sollen, gerade um eine inhaltliche Antwort zu erzwingen, oder um das Ausweichen vor einer tatsächlich potentiell erhellenden Aussage noch klarer zu machen.

        Und dann interpretierst Du die völlig aussagelose Antwort in einer Weise, die komplett die (zudem von Dir bloß vermutete) Sichtweise des BVMg einnimmt – mit dem vorhersehbaren Ergebnis, daß das BMVg keinerlei Verantwortung für Antworten mit null Erkenntniswert zu übernehmen braucht. Auch das würde ich von einem Journalisten anders erwarten.

        • fsteiner
          21. Februar 2015 at 18:57

          Interessant, was Du so zu wissen glaubst und wie kreativ Du Deinerseits zu interpretieren weißt. Meine Interpretation erfolgt auf Basis meiner beruflichen Erfahrung, auch jenen Erfahrungen, die ich in RegPKs gemacht habe. Worauf basiert Deine?

          • 22. Februar 2015 at 2:37

            In meinem Kommentar habe ich nichts vorgegeben zu wissen und habe auch keine eigene Interpretation vertreten. Wie Du darauf kommst, ist mir schleierhaft. Ich habe a) eine Alternative vertreten: Im Lichte des journalistischen Auftrags wäre es sinnvoll gewesen zu thematisieren, was eine zielführendere Fragestellung gewesen wäre; und b) darauf hingewiesen, daß Du eine Interpretation als gegeben hinnimmst, die Du zuerst überhaupt nicht begründest (und dann bloß die Autorität Deiner „Erfahrung“ anführst, als wäre Dir die logische Unhaltbarkeit dieser Haltung komplett unbewußt) und die das Ministerium von jeglicher accountability freispricht – was mit Journalismus nicht viel zu tun hat.

          • fsteiner
            22. Februar 2015 at 11:12

            Peter, ich habe Dich glaube ich nicht darum gebeten, mir und meinem mehr oder minder großen Sachverstand zu vertrauen. Wenn Du es machst, fein, wenn nicht, auch ok für mich. In der Abwägung, wie viel Zeit ich auf einen veröffentlichen Fußnotenapparat verwende, auf die Erläuterung meiner Einschätzungen und wie viel Zeit ich dann lieber auf anderes verwende, ist Dein Anspruch ein anderer als meine Bereitschaft.

            Dass Du sagst, Du hättest nicht interpretiert, ich hingegen schon, ist in sich eine hermetisch hirnaktivitätsbefreite Hermeneutik, deren Diskussion sich imho erübrigt. Du interpretierst, die Antwort des BMVg sei aussagelos gewesen – was so einfach nur falsch ist. Es ist eine klassische ministeriale Verneinung einer Aktivität zu einem Thema. Du redest von accountability, verstehst aber noch nicht einmal den einfachsten und nicht gerade verschlüsselten Sprachcode, hui. Bisschen viel Theorie, bisschen wenig Transferleistung auf die Realität? Das ist putzig, aber sinnlos. Frohes Schaffen!

  10. Sebastian Schöbel
    21. Februar 2015 at 13:38

    Ein echt guter Text, vielen Dank dafür.

  11. Erna
    21. Februar 2015 at 13:57

    Ich denke es geht der BPK vorrangig um die Erhaltung ihres elitären Status und des guten Kontakts zu den Regierungssprechern. Ich erläutere das gern auf der nächsten „Mitgliederversammlung“.

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 16:58

      Na, wenn Sie denn Mitglied sind, nur zu.. Dafür sind MVen ja da. Hab jetzt mal nicht ins interne Mitgliederverzeichnis geguckt.

  12. Gunnar
    21. Februar 2015 at 15:06

    Apropos Zeitverschwendung: Wenn man ehrlich ist, dann ist die komplette BPK eine riesige Zeitverschwendung. Wo gab es denn bitte schon einmal einen echten Erkenntnisgewinn? Jetzt sitzt da Thilo Jung, stellt ein paar kritische Fragen (mit und ohne schlechter Vorbereitung) und bekommt als Antwort eigentlich nur Ausflüchte und peinliches Gestammel. Und die restlichen „Journalisten“ stellen eigentlich nur Nachfragen zu Äußerungen von Regierungsmitgliedern, die sie an anderer Stelle nicht verstanden haben. Man könnte die Veranstaltung also auch ‚Bundesnachhilfekonferenz‘ nennen.

  13. Wolf
    21. Februar 2015 at 15:09

    Den jungen Kollegen hätte ich in einem ruhigen Moment persönlich kritisiert, statt ihn öffentlich zu maßregeln. Zumal dann, wenn ich mit ihm enger befreundet wäre (was ich nicht bin) und er schon länger „nervt“ (wovon ich als seltener Gast der BPK nichts weiß), wäre diese Kritik schon aus kollegialer Fürsorge sehr viel eher notwendig gewesen. Warum ist das offensichtlich nicht geschehen?

    Jedenfalls lese nichts nichts von vergeblichen Versuchen, den Kollegen mit den Konventionen des Vereins vetraut zu machen, stattdessen einen leicht spöttischen Blick auf das Berufsbild, sowie zwei Tatsachenbehauptungen „faul“ und „unvorbereitet“.

    Da stelle‘ ‚mer us ma‘ janz dumm und wagen eine Folgenabschätzung: Was bleibt? Genau dieses Stigma wird den jungen, wahrscheinlich zur Zeit noch unerfahrenen, aber meiner Meinung nach sehr begabten Kollegen noch eine Weile begleiten und im schlimmsten Fall von Konkurrenten und Interviewpartnern bei passender Gelegenheit wiederbelebt. Was bei aller berechtigten Kritik nicht notwendig gewesen wäre. Punkt! Schade.
    Beim Thema Umgangsformen wäre mir die Position des fürsorglichen Vorbilds immer die liebste, was mir natürlich auch nicht immer gelingt. ;)

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 17:03

      Ich sags mal so: würde ich Tilo nicht gut genug kennen und hätte mit ihm oft genug (auch in den vergangenen Monaten immer wieder mal) gesprochen, hätte ich es so auch nicht gemacht. Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander und sind auch aktuell wieder lose zum Kaffee verabredet…

      • Wolf
        21. Februar 2015 at 21:30

        Das rückt die ursprüngliche Kritik natürlich in ein etwas faireres Licht.
        Trotzdem hätte ich mir die Bemerkung „unvorbereitet“ und „faul“ erspart.

        Ich erinnere mich an ein Interview mit einem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Niedersächsischen SPD, namens Schröder, der total ausrastete und mich aus seinem Büro hinauswarf, nachdem er eine für das Thema entscheidende Frage zum dritten oder vierten Mal nicht beantworten wollte und konnte.

        Sein Ausraster zeigte konzentriert, was ich an der Absurdität einer seiner damaligen Entscheidungen selbst nicht besser hätte erzählen können und wurde deswegen auch in voller Länge gesendet. Will damit nur beweisen, dass bewusst eingesetztes nerviges Nachfragen oft zum Ziel führt (seitdem grüßen wir uns übrigens heute noch per Handschlag, falls wir uns irgendwo begegnen).
        Natürlich ist es richtig, mit solchen Strategien nicht die Zeit seiner Kolleginnen und Kollegen zu verschwenden. Aber lernen wir nicht stets dazu, ein Leben lang?

        • fsteiner
          21. Februar 2015 at 21:41

          Klar machen wir das. Ich auch, auch mit dieser Debatte, keine Frage. Und am Ende hoffe ich, dass Tilo (der das btw auch kann, wenn er denn will) sich von einem teilweise als solchem empfundenen Störfaktor zu einer richtig guten Bereicherung für die BPK entwickeln kann, der eine oder andere BPK-Kollege sich etwas entspannter zeigt . Aber darüber werden er und ich die Tage mal Offline reden…

  14. 21. Februar 2015 at 15:42

    Ein Großteil der Kommentatoren hier ist offensichtlich geistig nicht in der Lage, den Text von Falk Steiner zu lesen und zu verstehen: Oben im Text steht klar und deutlich, dass die Protokolle der BPK öffentlich sind. Aber die Schlauberger beschweren sich, die „Rohinformationen“ würden fehlen, es würden nur gefilterte Informationen veröffentlicht, die „Belege“ würden fehlen. Klarer können sich die Anhänger der „Lügenpresse“-Rufer kaum selbst blamieren.

  15. 21. Februar 2015 at 18:18

    Ich hatte ja Anfang Januar die Krautreporter wegen der für mich gegenrecherchearmen Tilo-Jung-Interviews schwer kritisiert. Bis dahin hatte ich auch eines seiner BPK-Vidos gesehen und festgestellt, dass er ja doch geschert nachfragen kann. Nur warum hat er das in den KR-Interviews nicht gemacht? Dann hätte ich Anfang 2015 doch gar nichs sagen können.

    Für mich sieht es so aus, als fragt er in der BPK nach Dingen und Zusammenhängen, auf die man als alter Hase, vielleicht nicht kommt, oder die man nicht stellt, weil man weiß, dass man für die Antwort keinen Platz im Blatt hat – oder einfach keine Zeit. Für eine Info wie oben „Von der Leyen will (derzeit) nicht in Libyen intervenieren und eine Intervention (durch wen auch immer) wird auch nicht von ihr debattiert“ wäre kein Platz, weil es keine (neue) Information ist.

    Aber Regierungssprecher mal mit ungewohnten Zusammenhängen konfrontieren, wie dem Unterschied zwischen IS und Saudi-Arabien, finde ich ganz gut.

    Ärgerlich wäre es nur, wenn Tilo Jung den anderen ihre Zeit „wegfragt“ und die ihre Gragen nicht mehr loswerden.

    • 21. Februar 2015 at 18:27

      Marc:
      „Ärgerlich wäre es nur, wenn Tilo Jung den anderen ihre Zeit “wegfragt” und die ihre Gragen nicht mehr loswerden.“

      Auch das ist etwas seltsam: Keiner der Beteiligten hat es bisher für nötig gehalten, mal ein paar Fragen der anderen BPK-Teilnehmer beispielhaft anzuschauen, um darzustellen, ob diese Fragen denn überhaupt selbst irgendeinen journalistischen Wert haben – und wenn ja: welchen. Ohne eine solche Einschätzung ist es etwas albern, darüber zu reden, ob Tilo oder sonst jemand den Very Serious Journalists Zeit stiehlt oder nicht.

      • fsteiner
        21. Februar 2015 at 18:45

        Ich sitze dort regelmäßig und nehme mir heraus, das beurteilen zu können. Mag sein, dass Du meine Einschätzung am Ende nicht teilst, aber das ist zumindest mir im Ergebnis ziemlich egal.

        • 22. Februar 2015 at 2:27

          Und genau das war mein Hauptpunkt, Falk: Das komplette Fehlen jeglicher Betrachtung journalistischer Verantwortung. Du meinst, es reiche, dem Publikum Deine Meinung mitzuteilen, weil Du ja ein Experte seiest. (Auch das, so typisch es auch ist für Journalisten, spricht Bände über Deine Kritikfähigkeit.) Andere würden sagen, es sei die allererste Aufgabe des Journalismus, dem Publikum eine unabhängige Meinungsbildung zu ermögilchen. Diesen anderen ist es dann im Zweifelsfall peinlich, wenn ein Kollege darüber redet, daß es ihm „ziemlich egal“ sei, ob seine Leser sich selbt ein Urteil bilden können – Hauptsache, er hat seines verkündet.

          • Andreas
            22. Februar 2015 at 12:08

            Nicht „seine Meinung“, sondern seine Rechercheergebnisse. Exakt das ist Journalismus. Dem Publikum eine unabhängige Meinungsbildung zu ermöglichen bedeutet nicht, nur allerhand Daten zusammenzutragen und dann zu sagen „hier bitte, macht was draus“. Die relevante journalistische Leistung ist die Prüfung und Einordnung dieser Daten was Erfahrung und breiteres Themenwissen erfordert, zwei Dinge die dem Publikum tatsächlich meist abgehen.

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 18:42

      Hallo Marc, das Thema Unterstützung IS, Jabhat-Al-Nusra und weiterer durch Qatar und/oder Saudi-Arabien / durch von Qatar und/oder Saudi-Arabien geduldete Akteure war öfter Thema in der RegPK… zB am 20.06.2014 mit einer Frage, die der Formulierung nach definitiv nicht von Tilo kam (kanns aber gern nochmal bei Bedarf in der BPK-Protokollversion nachschlagen morgen).

      Zum Thema Zeit: Die Regierungspressekonferenzen beginnen im Regelfall um 11:30 Uhr. Ich bin oft noch während die läuft bereits auf Sendung, Kollegen von ARD und ZDF Fernsehen und den ARD-Radioanstalten geht es oft auch so. Wer von den Printkollegen eine Antwort aus der RegPK gerne noch bis zum Redaktionsschluss nachrecherchieren oder aber zumindest andere zu ihrer Sichtweise dazu befragen will und dann auch noch etwas Zeit zum Schreiben braucht, ist auch für jede Minute dankbar, die ihm bleibt. Dass alle unter Zeitdruck arbeiten, betrifft nicht nur betont naiv fragende Videoblogjournalisten, sondern auch mal gefühlte BPK-Urgesteine , denen Kollegen das ebenfalls schonmal sagen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen gerade die knappe Zeit geklaut wird.

  16. Tom
    21. Februar 2015 at 18:56

    Man kann von Tilos Videos halten was man will, egal ob man Ahnung hat oder nicht. Und viele Bekannte befassen sich durch seine Videos wieder mehr oder intensiver mit Politik – da ist erstmal ganz egal warum die wie entstanden sind und ob er vorbereitet war oder nicht. Charmant ist es auf jeden Fall, vielleicht tollpatschig oder „naiv“, die Fragen zu stellen, die er stellt, und sie auch so zu verbreiten.
    Vielleicht hat hier ein alt eingesessener Journalist, der sein Handwerk noch richtig gelernt hat, schlichtweg Neid, dass so ein Vollpfosten auch noch Erfolg hat. Mag sein, aber dann sollten sich die richtigen Journalisten fragen, warum niemand mehr ihre gedruckten Zeitungen liest.
    Leider begrenzt sich der Journalismus heutzutage oft nur noch auf eine Schlagzeile, die in einen Tweet passt und einen großartigen Artikel verspricht. Ähnlich wie in der Politik bleibt es dann aber nur beim Versprechen. Und dumm nur, dass selbst der Spiegel sogar seine englischen Quellen nicht mehr richtig übersetzen kann und die Aussagen von Artikeln dank Übersetzungsfehler verfälscht werden – zu dumm zum Copy&Paste „Journalismus“.
    Zum Glück gibt es aber Blogs und andere Leute, die vielleicht keine gelernten Journalisten sind, aber gut und wichtige Infos verbreiten.

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 18:58

      Du weißt aber schon, bei wem Du hier kommentierst? (War ein Witz. Denn: offensichtlich nicht.)

  17. 21. Februar 2015 at 19:17

    Und weil das auch ganz bezeichnend ist:

    In einem selbstorganisierten Verein gehört nämlich auch die Rücksicht auf die (zeitlichen) Bedürfnisse der anderen Mitglieder dazu.

    Wie kommt es bloß, daß sowohl in einem so länglichen Text als auch in den Kommentaren und der Diskussion auf Twitter zwar über die „Bedürfnisse“ der BPK-Mitglieder geredet wird, aber mit keinem Wort (geschweige denn Argument) darauf eingegangen wird, wie sich das alles zu der primären Verantwortung des Journalisten verhält: den Bedürfnissen des Publikums (sprich: dem mündigen Bürger)?

    • fsteiner
      21. Februar 2015 at 19:33

      Not bad, auf der einen Seite den Text als länglich zu bezeichnen, auf der anderen Seite das fehlen einer kompletten weiteren Diskussionsstufe zu bemängeln. Funny you. Die Antwort auf dein „Wie kommt es bloß?“ lautet: Weil die bösen Hauptstadtjournalisten den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als Tilo zu gängeln, der die mündigen Bürger so hervorragend informiert.

      • 22. Februar 2015 at 2:23

        Schon sehr geil zu sehen, Falk, wie Du systematisch jeder substantiellen Kritik ausweichst. Die Ironie wäre ja immerhin noch ganz erbaulich – wenn ich denn tatsächlich in irgendeiner Weise impliziert hätte, daß Tilo „die mündigen Bürger so hervorragend informiert“. Tatsächlich sprach ich über die gesamte Diskussion, was Tilo relativ offensichtlich (dachte ich) mit einschließt. Daß Du mich für einen Tilo-Fanboy hältst, sagt aber immerhin was über Deine Fähigkeit zur Selbstkritik.

        Und ich habe auch nicht das Fehlen „einer kompletten weiteren Diskussionsstufe“ bemängelt, wie Du fälschlich behauptest. Ich bemängelte das Fehlen jeglichen Bezuges auf journalistische Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit. Die Betrachtung des prinzessinnenhaften Verhaltens der BPK-Kollegen die „ihre Bedürfnisse“ durch Tilo beeinträchtigt sehen, kann man dagegen (Zwecks Längenneutralität) komplett streichen – außer anderen privilegierten Anspruchsdenkern geht das den meisten Lesern nämlich am Arsch vorbei.

      • Piet
        23. Februar 2015 at 18:01

        Dass ein Text länglich ist, und dennoch eine bestimmte Diskussionsstufe fehlt ist doch kein Widerspruch.

        Diese ganze Geschichte und die Art wie hier damit umgegangen wird, gibt der Diskussion um den Konformitätsdruck in der Zunft jedenfalls wieder etwas Futter.

  18. Janosch
    21. Februar 2015 at 21:04

    Kleiner Hinweis an die mündigen Bürger da draußen:
    Ich gehöre zu der Spezies der Leute, die Tilo Jung mal n Interview gegeben haben, das hernach nicht veröffentlicht wurde.
    *dramatisch*: Tadamm!
    Weshalb hat er es nicht gesendet? Weil ich was Weltbewegendes gesagt habe, das ihr mündigen Bürger nicht erfahren dürft? Bestimmt war es das! Bestimmt nicht, weil ich uninteressanten Quark erzählt habe!1!11
    Oder er hat einfach seinen Job gemacht und gefiltert. Es ist zumindest naiv zu glauben, selbst Tilo Jung würde nicht filtern und euch deshalb leider die ganze Wahrheit über das Universum, das Leben und alles vorenthalten. Weil auch er Themen auswählt, weil er an einigen Tagen nicht in der Bpk hockt, weil er ein Mensch mit halbwegs normalem circadianem Rhythmus ist (sonst sähe er nicht so gut aus).
    Deshalb kann man auch von Tilo Jung erwarten, dass er sich bei Filterung und Recherche – wie viele seiner Kollegen auch – Mühe gibt.

    • Janosch
      21. Februar 2015 at 21:07

      Ohwee, bei nem Fremdwort einen Grammatikfehler einbauen, peinlich =)

  19. Stefan
    21. Februar 2015 at 21:04

    Eva Lodde vom Hauptstadtstudio der ARD hat mit einem Tweet klargestellt, dass sie die einzige Vertreterin der ARD in der besagten Presskonferenz war und sie nicht Tilo Jung vorgehalten hätte, dass er mit seinen Fragen nervt. https://twitter.com/evalodde/status/568796602846056448

    Dass ihn also ein „ARD-Kollege“ angesprochen hat, stimmt anscheinend also nicht.

  20. Moon
    22. Februar 2015 at 8:54

    Am nervigsten für uns alle (!) sind doch wohl (alte) Kerle, die auf Experte machen (voll Ahnung und Haltung und so), aber in der BPK den Hofberichterstatter geben und selbst den größten Flachsinn der da abgeseibert wird einfach schlucken ohne peinlich berührt zu sein.

  21. Andres B
    22. Februar 2015 at 12:07

    Hier mal der Kommentar eines normalen Bürgers der einfach politisch interessiert ist.

    Zuerst mal zum Thema „Haltung“ :
    Haltung hat mich für mich auch was mit Achtung und Respekt zu tun. Und wenn ich lese was hier an Gift und Galle mehr oder auch weniger subtil verspritzt wird schüttelts mich. UND JA, ich glaube das die gleichen Leute intelligent sind und gut schreiben können. Eine erschreckende Kombination, sehr gut geeignet um Leute mundtot zu machen.

    Hier wird sehr viel über Freiheit , Transparenz , Pflicht des Journalisten usw. geschrieben.
    Aber ich erwarte doch nicht dass ein Journalist ein Märtyer ist und natürlich schreibt er auch gefärbt über Dinge. Ist das der Weltuntergang ?

    Auch in den 80-zigern, als es das Internet nicht gab, hieß das nicht, dass man einer Meinungsmache hilflos ausgeliefert war. Ich bekam als Student den „Rheinischen Merkur “ geschenkt (ein Blatt des „Schweinesystems“, der „Lügenpresse“)
    An der Uni las ich dann die taz.
    Es war schon interessant zu lesen wie unterschiedlich Dinge dargestellt werden können, ganz wertfrei mal so gesagt.

    Ich glaube der Journalismus gewinnt, wenn der Schreiber zumindest versucht die Situation aus andrem Blickwinkel zu betrachten und sich nicht als Heilsbringer versteht. Bei manchen hier scheint es aber so zu sein.

    Bei mir schrillen die Alarmglocken wenn es nur noch um „den Andren“ als „den Bösen“ geht. Dann werden Dinge instrumentalisiert nur um die eigene Meinung nach vorn zu bringen.

  22. Jan
    22. Februar 2015 at 12:16

    Hallo,

    falls sich jemand fragt, an welcher Stelle Tilo mal ein bisschen seine Arbeitsweise vorstellt:

    https://www.youtube.com/watch?v=LLQpV0dO9lA

  23. Dani
    22. Februar 2015 at 16:25

    Alle Tilo-Jung-Anhänger sollten mal überlegen, ob er einfach nur provozieren oder ob er echte, ungefilterte Informationen und Antworten bringen will. Ich vermute eher, Ersteres.

  24. jom
    22. Februar 2015 at 17:03

    @Falk Ist dieser Artikel eigentlich eine vedammte innovative Werbekampanie für den Stil von Jung & Naiv?

    Wenn ja, gutes Ding! Hat funktioniert! :)

  25. Karin Meyer
    23. Februar 2015 at 11:02

    Mir scheinen hier grob gesagt zwei Sichtweisen aufeinander zu prallen: Auf der einen Seite die „Netzbewohner“ und Tilo-Affinen, auf der anderen Seite die traditionellen Journalisten. Gegenseitig halten sich beide für etwas unterbelichtet.

    Ich glaube, dass eine Lektion in dieser Diskussion steckt, jenseits von „du hast doch das alles gar nicht verstanden“. Denn: Die „Netzbewohner“ fordern Belege; Journalisten sagen: das kostet zu viel Zeit. Beides ist aus meiner Sicht richtig, löst aber nicht das Problem.
    Im Kern scheint mir das Problem nämlich zu sein: Journalismus funktioniert als Black Box. Dem Konsumenten wird in der Regel nicht erläutert, *wie* der Journalist zu seinen Schlüssen kommt. Und wenn er [respektive sie] noch so viel Zeit in Vorbereitung und Nachforschung steckt: das Endprodukt sieht genauso oder zumindest sehr ähnlich aus wie das von jemandem, der nur Agenturmeldungen abschreibt. Journalisten verlangen von Medien-Konsumenten Vertrauen, erläutern aber im Zweifelsfall nicht, worauf sich das stützen soll. Tilo dagegen tut zumindest so, als würde er den Konsumenten teilhaben lassen.

    Und da könnte ein Lösungsansatz liegen, meine ich: mehr in Texte/Videos/whatever einfließen lassen, wie das Produkt zustande gekommen ist. Oder in anderen Worten: die Meta-Ebene mitliefern. Dazuschreiben, ob ein Text von der dpa ge-copy-pastet ist oder auf wochenlanger Rechercheleistung mit Reisen nach Jemen und Malaysia beruht. Und auch: dazuschreiben, was die BPK denn ist – ich bin Ende 30, politisch interessiert und meines Erachtens Medien-Alphabetin, aber ich habe erst heute gelernt, was die BPK ist. Mehr solche Informationen!

    tl;dr: Journalismus erscheint als Blackbox und daher unglaubwürdig; Lösungsvorschlag: den Produktionsprozess stärker offenlegen.

  26. Neru Kanaeh
    23. Februar 2015 at 12:02

    Nice Beef! Besser gesagt: Nice Bitch Promo Move!
    too short, get explicit (ts;ge: Falk Steiner nervt, weil er die verfahren Fahrigkeit eines wenig erfolgreichen Formats nutzt, um bei Blindblog als Old-School-Kompetenzler verlinkt zu werden. Die Pressefreiheit ist derzeit weder dadurch noch durch ironische Kommentare dazu gefährdet.)

  27. Max
    23. Februar 2015 at 12:03

    Ich hatte mir das Video der PK von diesem Tag angesehen und kann verstehen, wenn Kollegen genervt sind. Beispielweise denn ein Sprecher Dinge erklären soll, die in der Woche zuvor besprochen worden sind oder das rumgehampel ob das eine Dokument jetzt allen oder nur ihm geschickt wird. Das ist die eine Seite.

    Auf der anderen Seite finde ich manche kritischen Fragen und das Nachhaken sehr gut. Die Frage zum „Informationskrieg“ fand ich interessant, das Rumgestammel in der Antwort sehr aufschlussreich. Aber: Da jedoch nur seine Fragen in den Videos auftauchen, kann ich nicht einschätzen was die Kollegen fragen. ;)

    Ich denke, dass Jung zurzeit ein Problem damit hat sich zu positionieren. Auf der einen Seite steht da das Format „jung & naiv“, da darf er natürlich ahnungslos und unvorbereitet sein. Auf der anderen Seite will er gerne kritischer Journalist sein, da passt die Ahnungslosigkeit nicht mehr, da gilt dann. Naive Fragen sind ihm Rahmen dieser PKs wohl eher fehl am Platz.

  28. Johann Richter
    23. Februar 2015 at 13:03

    Die Kritik trifft insbesondere auf die jüngste Folge „BPK für Desinteressierte“ nicht zu. Die Fragen nach der Internen Handreichung des Auswärtigen Amts war unterhaltsam und effektiv. Die Fragen nach den Befugnissen von Schäuble und die Frage an das BMJV waren sehr scharf.

  29. 23. Februar 2015 at 14:34

    Danke für diesen Text, die negativen Reaktionen der anderen Journalisten in der BPK kann ich gut verstehen. Ich selbst war dort mal sechs Woche quasi bei jedem Termin im Rahmen eines Bundestags-Praktikums ohne Fragerecht anwesend und muss sagen, dass es mich auch gestört hat, wenn ein Journalist eine vor ein paar Tagen schon ausführlich besprochene Frage nochmals stellt. Das merkt man auch an den Reaktionen der Sprecher und ich frage mich, wieso Herr Jung sich bei solchen deutlich wahrnehmbaren, negativen Reaktionen nicht selbst hinterfragt. Zudem kann man natürlich bei seinen Ausschnitten der BPK, die er online stellt, die Frage stellen, ob viele Themen nicht besser eingebettet gehören – mit Erläuterungen, Thesen der Gegenseite etc. Das fehlt mir.
    Ein letzter Punkte, den ich machen will, ist eine Leseempfehlung zum Format von Herrn Jung, die sich u.a. mit den geringen Zuschauerzahlen von Jung & Naiv auseinandersetzt. http://www.leitmedium.de/2014/06/30/meine-laudatio-fuer-jungnaiv-die-konservative-konterrevolution-hat-youtube-erreicht/

  30. Anderer Max
    23. Februar 2015 at 16:25

    Dieser Artikel sagt mal wieder mehr über den Autor, als über Tilo Jung, so wie jeder Neid-Artikel über Tilo Jung. An die eigene Nase fassen soll helfen.

  31. Marion
    23. Februar 2015 at 21:07

    Als Journalistin bin ich entsetzt von diesem Kollegen-Bashing. Auch wenn ich inhaltlich-professionell vielleicht zustimmen würde – einen Kollegen in der Öffentlichkeit so bloßzustellen, das geht einfach nicht. Hätten Sie diese Kritikpunkte mal im Vier-Augen-Gespräch dargelegt…

    • fsteiner
      23. Februar 2015 at 21:44

      Tag. Das öffentliche Kollegen-Bashing ist tatsächlich schwierig, und würde ich den Kollegen nicht kennen und mit ihm auch mehrfach über Teile des hier Beschriebenen gesprochen haben, würde er selbst nicht die Kritik von BPK-Kollegen selbst veröffentlichen, wäre das wohl auch nichts, was ich getan hätte. Steht aber auch im Text.

    • Beckmesser
      24. Februar 2015 at 1:24

      Ach, das ist aber interessant: Journalistinnen und Journalisten dürfen jeden gnadenlos bashen – aber nicht sich selbst? Übrigens, Marion – einfach mal lesen: Falk hat geschrieben, dass er mit dem Kollegen darüber gesprochen hat.

  32. Benjamin
    23. Februar 2015 at 21:24

    Hey Falk,

    ich werde diesen Text immer wieder lesen. Danke.

    Benjamin

  33. Gernot
    24. Februar 2015 at 2:15

    Vor zwei Jahren hatte ich einen Arbeitsunfall und war zwei Monate lahmgelegt. Habe dann auf Phönix öfters Bundespressekonferenzen verfolgt. Fand sie meistens langweilig und den Erkenntnisgewinn sehr gering.
    Ritual um des Rituals willen.

  34. jj preston
    24. Februar 2015 at 11:08

    „Tilo stellt also sehr viele Fragen, häufig sind einige davon bereits beantwortet.“

    Und das ist für Nicht-Jung-Journalisten ein Problem, weil … sich dabei Nuancen in der Beantwortung der Fragen ergeben könnten, die der vorherigen Antwort widersprechen, und man als Journalist dann tatsächlich seine Arbeit machen müsste, also sowas wie recherchieren, nachhaken, aufklären – das lästige Ganze, zu dem einen der Lehrer damals auf der Journalistenschule schon nicht motivieren konnte, weil es einen vom Kaffeetrinken, Kekseessen und Redditlesen abhält?

  35. SG
    24. Februar 2015 at 11:30

    Journalist kann man in Deutschland offenbar sogar sein/werden, wenn man den Unterschied von „trotzdem“ und „obwohl“ nicht kennt, wie mich der erste Satz des hier zuletzt erschienen Artikels („2014 war gefühlt ein irgendwie ruhiges Jahr für mich, trotzdem es eine Menge Arbeit zu erledigen gab“) lehrt. Ist ja auch nicht so, dass Journalismus was mit Sprache zu tun hätte.

    • fsteiner
      24. Februar 2015 at 21:04

      Werter SG, das ist natürlich ein schier ungualblicher!1!!! Vorgang… Obschon Sie mir hier hochgradig investigativ einen geradezu unverzeihlichen Schlendrian im Umgang mit meiner Muttersprache nachweisen: wenn Sie sonst nichts zu bemäkeln oder zur Debatte beizutragen haben, so bin ich dann doch überaus glücklich.

  36. etone
    24. Februar 2015 at 15:55

    Der wahre Wert der Rubrik von Herrn Jung zeigt sich nicht im Inhaltlichen, sondern in der Art und Weise, wie die VertreterInnen der Bundesregierung antworten. Man bekommt bedauerlicher Weise den Eindruck, sie kanzelten ihn von oben herab ab, sie sind genervt, sie sind überheblich. Das hinterlässt den Eindruck eines closed shops, der pikiert ist, weil jemand von draussen „blöde“ Fragen stellt.
    Ich würde mir wünschen, die KollegInnen und die PressesprecherInnen würden die nötige Souveränität an den Tag legen, leider zeigt sich derzeit nur Schnöselei und Überheblichkeit.

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