Elektronisches Ticket? Gern, aber so nicht, BVG und VBB

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) haben ihre Kunden angelogen. Sie haben behauptet, dass nach der Umstellung von Papier-Abokarten auf E-Tickets keinerlei Daten von Kartenlesegeräten auf die Karten geschrieben würden. Doch offenbar sind die Lese- auch Schreibgeräte.

Zuerst berichtete in einem Artikel der Berliner Fahrgastverband IGEB in seiner Mitgliederzeitschrift „Signal“ darüber, dass sehr wohl Daten erfasst werden, wenn die „FahrCard“, so heißt das elektronische Ticket, mit Lesegeräten in Kontakt kommt. Diese Lesegeräte sind zwar unsäglich langsam, aber in vielen Bussen installiert. Die Idee der BVG war wohl, dass Kunden schneller einsteigen können, wenn sie ihre Karten an die „Lesegeräte“ halten. Zudem sind auch die mobilen Kontrolleure mit „Lesegeräten“ ausgestattet.

VBB und BVG hatten versichert:

Welche persönlichen Daten werden erfasst?
Auf dem Chip der fahrCard werden nur der von Ihnen gewählte Tarif und Ihre Chipkartennummer gespeichert. Auf dem Chip der fahrCard sind die gleichen Informationen enthalten, wie auf dem Wertabschnitt, ergänzt um die Kartennummer. Bei übertragbaren Tarifprodukten, wie der VBB-Umweltkarte werden also keine persönlichen Daten gespeichert.

Können Fahrtenprofile erstellt werden?
Nein. Es ist weder technisch noch organisatorisch möglich, Bewegungsprofile auf der Karte oder im System zu speichern. Die Vorgaben des Datenschutzes werden eingehalten. Kontrolldaten einerseits und personenbezogene Daten andererseits werden voneinander getrennt, eine Zusammenführung ist nicht möglich.

Nun gibt es mit MyTraq eine Software, mit der man mit einem NFC-fähigen Smartphone die Fahrcard selbst auslesen kann. Gesagt, getan. Ergebnis:

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Seit vorgestern sind nun einige Artikel in Berliner Zeitungen dazu erschienen (MoPo, Tagesspiegel, taz, Kurier). Die BVG behauptet darin aber, dass sie zwar bei den Lesegeräten im Bus gelogen habe, aber bei Fahrkartenkontrollen keinerlei Daten auf die Karten geschrieben würden. Aber sind die Einträge mit dem Stempel „Kontrolle“ mit dem Berechtigten „BVG“ auf meiner Karte etwa vom Himmel gefallen? Warum wird in „Check-Ins“ und „Kontrollen“ unterschieden, wenn doch die Kontrollen gar nicht gespeichert werden (die Datenfelder dürfte der Betreiber festlegen)?

Zwar krankt der Artikel der IGEB, der vor exakter Bewegungsprofilbildung warnt, daran, dass der Check-In im Bus nie verpflichtend war und auch die Kontrolldichte von Personal mit tragbaren Lesegeräten eher überschaubar ist. Aber darum geht es gar nicht primär. Hier geht es um Vertrauen. Verkehrsunternehmen, die im Vorfeld der Fahrcard-Einführung viele Diskussionen zum Thema Datenschutz haben führen können und daraus angeblich ja auch die richtigen Schlüsse gezogen haben, machen in der Praxis dann einfach etwas anderes – das darf einfach nicht sein. Denn natürlich frage ich mich – und habe das auch den Datenschutzbeauftragten von Berlin sowie die Datenschutzbeauftragte des Landes Brandenburg als Bürger per Eingabe gefragt – was die BVG und der VBB sonst noch an Daten sammeln. Ich selbst habe jetzt erst einmal ein Auskunftsersuchen nach §34 BDSG an BVG und VBB gerichtet – sie müssen mir nun mitteilen, welche Daten sie über mich und meine Fahrcard gesammelt haben. Mal schauen, was sich da noch so findet.

Eines verhält sich übrigens genau umgekehrt zu den Daten auf der Karte, die nicht da sein sollten: Zwar gibt es auf der Website der VBB irgendwo die Angabe, dass man ihn per Mail an datenschutz@vbb.de erreichen könne. Nur ist diese Mailadresse tatsächlich nicht eingerichtet, dort kommt also auch nichts an. Irgendwie auch ein Zeichen…

  1 comment for “Elektronisches Ticket? Gern, aber so nicht, BVG und VBB

  1. Janne
    29. Dezember 2015 at 17:11

    Auf meiner Karte sind abgesehen von der Ausgabe keine Transaktionen gespeichert. Allerdings werde ich gefühlt quasi nicht kontrolliert und die Lesegeräte in Bussen in Berlin habe ich noch nicht benutzt. Von 1 oder 2 Lesevorgängen im Berliner Umland 2013 scheinen keine Transaktionen vorhanden zu sein.

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