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Was darf Satire? Alles, aber doch bitte nicht jetzt.

Ein Flugzeug fliegt gegen einen Berg. Tagelang spekulieren die deutschen Medien. Und dann kommt mehrfach alles ganz anders. Was für eine Steilvorlage.

Doch der fließende Übergang von Verkehrsfliegerflugzeugexperten, Katastrophenexperten, Lufthansaexperten, seelsorgerischen Traumaexperten, Cockpittürexperten und Depressionsexpertenexpertise, er hat Schonzeit.

Wo ist Helmut Dietls Film über die gefälschten Kopilotentagebücher? Wo bleibt die – zwar falsche, aber vorstellbare (siehe Montage) – Feststellung, dass sich Martin Sonneborn als Experte in eilig zusammengekleisterte Sondersendungen einschummelt? Es darf doch auch sonst offenbar jeder überall über alles spekulieren? Jeder alles überall weiterverbreiten, bis hin zu kranken Akten wie den ausführlichen Zitaten aus Krankenakten?

Nein, über Tote und Unglücke macht man in Deutschland einfach keine Witze. Also, auf jeden Fall nicht in der ersten Woche. Heute Show? Wird zur Heute nicht Show. Neues aus der Anstalt? Mal eine Woche später senden. Wer es unbedingt sehen will, kann es online vorher tun. Na dann. Dabei ist es doch gerade Satire, die uns mit dem Holzhammerflorett das Gesehene, Gehörte und Gelesene so unterbreitet, dass wir darüber nachdenken. Wie John Cleese es einmal formulierte: Satire makes people think.

Dieses Land hat ein in meinen Augen seltsames Verhältnis zur Frage, was Satire soll. Wie wird sich wohl Charlie Hebdo an den Germanwings-Absturz heranwagen?